Der Mann, der vom Baum fiel – und warum ich den Fibro-Club gegründet habe
- Peggy Zofek

- 15. März
- 4 Min. Lesezeit

Es gibt eine kleine Geschichte, die mich heute Morgen tief berührt hat.
Ein alter Mann lebte allein in einem Dorf am Waldrand.
Eines Tages kletterte er auf einen Baum, um eine Frucht zu pflücken.
Der Ast brach.
Der Mann stürzte zu Boden und verletzte sich schwer.
Die Dorfbewohner hörten den Lärm und liefen sofort zu ihm.
„Was können wir für dich tun?“
„Sollen wir einen Arzt holen?“
„Brauchst du Wasser?“
„Sag uns einfach, wie wir dir helfen können.“
Der alte Mann schaute sie an und sagte nur einen einzigen Satz:
„Bringt mir jemanden, der auch vom Baum gefallen ist.“
Als ich diese Geschichte gehört habe, war mein erster Gedanke:
Wie passend sie zu meinem Leben ist.
Denn manchmal kann dich ein Mensch noch so sehr trösten, unterstützen oder beraten wollen –
aber wirklich verstehen kann dich oft nur jemand, der selbst gefallen ist.
Es gibt Erfahrungen, die man nicht erklären kann
Ich weiß, wie es sich anfühlt, jeden Tag Schmerzen zu haben.
Ich weiß, wie es sich anfühlt, morgens aufzuwachen und schon erschöpft zu sein, bevor der Tag überhaupt begonnen hat.
Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn plötzlich alles dunkel erscheint und man sich fragt:
„Soll das wirklich mein Leben sein?“
Und manchmal sogar die noch viel schwierigere Frage auftaucht:
„Will ich überhaupt so leben?“
Das sind Gedanken, über die man nicht mit jedem sprechen kann.
Nicht, weil andere Menschen es nicht gut meinen.
Sondern weil sie es einfach nicht nachvollziehen können.
Ich habe das auch bei Trauer erlebt
Als meine Mama gestorben ist, habe ich etwas sehr Ähnliches erlebt.
Viele Menschen waren lieb.
Viele haben gesagt: „Es tut mir leid.“
Aber wirklich darüber sprechen konnte ich nur mit Menschen, die selbst einen geliebten Menschen verloren hatten.
Mit meinem Stiefvater.
Und mit meinem Partner, der ebenfalls seine Frau verloren hat.
Zwischen uns entstand eine Verbindung, die man nicht künstlich herstellen kann.
Weil wir wussten, wie sich dieser Schmerz anfühlt.
Und genau diese Art von Verbindung sehe ich auch immer wieder bei Frauen mit Fibromyalgie.
Wenn dich jemand wirklich versteht
Ich erinnere mich an die Zeit meiner Diagnose.
Ich hatte tatsächlich großes Glück mit meinen Ärzten.
Meine Hausärztin hat sofort reagiert und mich zu einem Kollegen geschickt, der sich sowohl mit Schulmedizin als auch mit alternativen Ansätzen beschäftigt.
Er vermutete sehr schnell Fibromyalgie und überwies mich in eine Klinik nach München.
Dort war ich vier Wochen.
Vier Wochen mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen machten.
Und plötzlich passierte etwas, das viele Betroffene kennen:
Man fühlt sich nicht mehr allein.
Man muss sich nicht ständig erklären.
Man wird ernst genommen.
Und genau dieses Gefühl ist unglaublich wertvoll.
Aber im Alltag wird vieles vergessen
Auch heute erlebe ich noch etwas, das viele Frauen mit chronischen Beschwerden kennen.
Man sieht es uns nicht an.
Heute habe ich viel weniger Schmerzen als früher.
Ich gehe seit einigen Jahren einen anderen Weg und mein Leben hat sich sehr verändert.
Aber es gibt trotzdem Tage, an denen ich erschöpft bin.
Tage, an denen ich langsamer gehen muss.
Oder eine Pause brauche.
Und dann kommt manchmal die Frage:
„Wie jetzt? Du kannst nicht mehr?“
Nicht böse gemeint.
Aber es zeigt, wie schnell Menschen vergessen.
Unsichtbare Erkrankungen sind für viele schwer zu verstehen.
Warum ich den Fibro-Club gegründet habe
Der eigentliche Impuls kam von einer Frau mit Fibromyalgie.
Sie sagte einmal zu mir:
„Peggy, ich hätte mir so sehr gewünscht, dass es so etwas gibt.“
Nach ihrer Diagnose hat sie im Internet gesucht.
Nach Informationen.
Nach Hoffnung.
Nach Menschen, die verstehen.
Aber sie hatte das Gefühl:
Alle lassen mich allein.
Diese Worte haben mich nicht mehr losgelassen.
Und genau deshalb habe ich den Fibro-Club gegründet.
Ein Ort, an dem du nicht allein bist
Wenn heute eine Frau erschöpft in den Fibro-Club kommt, wünsche ich mir vor allem drei Dinge für sie.
Dass sie Verständnis findet.
Dass sie Aufklärung bekommt.
Und dass sie spürt:
Hier versteht mich jemand.
Im Club gibt es Wissen, Tools, Workshops und Gespräche.
Aber das Wichtigste ist etwas anderes.
Die Verbindung.
Dieses Gefühl:
„Ich bin nicht allein mit dem, was ich erlebe.“
Kann man bei Fibromyalgie etwas verändern?
Viele Frauen glauben:
„Da kann man sowieso nichts machen.“
Ich sehe das anders.
Und ich sage das nicht aus Theorie.
Ich sage es, weil ich selbst diesen Weg gegangen bin.
Für mich bedeutet eine Erkrankung immer auch eine Einladung hinzuschauen.
Nicht im Sinne von Schuld.
Sondern im Sinne von Verantwortung.
Ich kann meine Verantwortung nicht an Ärzte, Therapeuten oder andere Menschen abgeben.
Ich darf anfangen zu fragen:
Was hat mir nicht gut getan?
Was brauche ich wirklich?
Was darf ich in meinem Leben verändern?
Das kann Ernährung sein.
Bewegung.
Gedanken.
Verhaltensmuster.
Oder der Umgang mit uns selbst.
Der wichtigste Schritt
Viele sprechen von Selbstliebe.
Ich finde ein anderes Wort noch wichtiger:
Selbstmitgefühl.
Wie gehen wir mit uns selbst um?
Erlauben wir uns Pausen?
Erlauben wir uns, nicht perfekt zu sein?
Erlauben wir uns, auf unseren Körper zu hören?
Oft beginnt Veränderung genau dort.
Und vielleicht ist genau das der Anfang
Vielleicht brauchst du gerade keinen Menschen, der dir erklärt, wie dein Leben aussehen soll.
Vielleicht brauchst du einfach jemanden, der sagt:
„Ich weiß, wie sich das anfühlt.“
Jemanden, der selbst einmal vom Baum gefallen ist.
Und genau dafür gibt es den Fibro-Club.
Herzwärts💜,
deine Peggy





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