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A.N.G.S.T.


Die Annahme negative Gedanken sind Tatsache.


Es gab in den letzten Tagen einen Satz, den ich immer wieder zu mir gesagt habe:


„Ich habe keinen Plan.“


Früher war das für mich einfach nur eine Redewendung. Heute merke ich, wie viel Wahrheit in diesem Satz steckt. Denn ich habe tatsächlich keinen Plan. Ich weiß nicht, wie mein Leben in ein paar Monaten aussieht. Ich weiß nicht, wie mein Geburtstag sein wird, ob ich im Herbst wieder aufs Herbstfest gehe oder wie Weihnachten aussieht.

Das sind doch alles Dinge, die wir Menschen planen. Sie geben uns Sicherheit. Und genau diese Sicherheit ist mir gerade ein Stück weit verloren gegangen.


Ich glaube, genau das macht mir im Moment solche Angst.


Ich stehe gerade vor einer Entscheidung. Nicht irgendeiner Entscheidung, sondern einer, mit der ich schon eine ganze Weile schwanger gehe. Ich treffe solche Entscheidungen nicht einfach aus dem Bauch heraus. Ich denke darüber nach, ich spreche darüber und ich merke schon lange, dass etwas nicht mehr stimmt.


Das Verrückte ist: Mein Kopf weiß es. Mein Herz weiß es. Und mein Bauch weiß es schon lange.


Und mein Körper zeigt es schon lange..


Mir ist übel. Und wenn ich sage, mir ist übel, dann meine ich nicht dieses flüchtige flaue Gefühl im Magen. Ich kenne diese Übelkeit aus meinem Leben. Immer wenn sie da ist, weiß ich, dass etwas in mir nicht stimmt. Früher konnte ich meine Gefühle gar nicht richtig wahrnehmen. Ich habe fast zehn Jahre gebraucht, um wieder fühlen zu lernen. Um meinem Bauch wieder vertrauen zu können.


Mein Bauch lügt nicht.


Am liebsten würde ich mich manchmal einfach ins Bett legen, die Decke über den Kopf ziehen und hoffen, dass sich das Problem irgendwie von alleine löst. Aber das tut es nicht. Die Entscheidung wartet. Ich kann sie verdrängen, das funktioniert sogar erstaunlich gut. Ich kann arbeiten, ich kann mich mit Social Media beschäftigen, ich kann Netflix schauen oder mich mit tausend anderen Dingen ablenken. Aber irgendwann wird es wieder still. Und dann ist sie wieder da.


Die Angst.


Ich glaube, viele Menschen schauen deshalb gar nicht erst richtig hin. Nicht, weil sie schwach sind, sondern weil Hinschauen manchmal verdammt weh tut. Denn wenn wir ehrlich hinschauen, erkennen wir manchmal, dass wir schon viel zu lange etwas aushalten, was überhaupt nicht mehr zu dem Leben passt, das wir eigentlich führen möchten.


Mir ist dabei ein Wort begegnet, das mich nicht mehr loslässt.


Selbstverrat.


Ich merke nämlich, wie ich anfange, meine Situation kleinzureden.


„So schlimm ist es doch gar nicht.“


„Es gibt doch auch schöne Momente.“


„Andere haben es viel schwerer.“


Ich kenne diese Gedanken nur zu gut. Und jedes Mal, wenn ich so denke, verrate ich mich selbst ein kleines Stück. Denn tief in mir weiß ich längst, dass es nicht darum geht, ob es auch schöne Momente gibt. Es geht darum, dass meine Seele schon lange etwas anderes möchte.


Viele würden wahrscheinlich denken, meine größte Angst wäre die Trennung.


Nein.


Meine größte Angst ist das, was danach kommt.


Die Angst vor dem Alleinsein. Die Angst vor dem Ungewissen.


Aber wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich mich doch selbst fragen: Wer sagt denn eigentlich, dass ich alleine bleibe? Das sagt doch niemand. Wer sagt denn, dass hinter der nächsten Ecke nicht etwas viel Schöneres auf mich wartet? Auch das weiß niemand.


Und trotzdem tut mein Kopf so, als würde er die Zukunft schon kennen.


Vor ein paar Tagen habe ich einen Gedanken von Dr. Joe Dispenza gehört. Sinngemäß sagte er, dass Stress entsteht, wenn wir das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren. Ich saß da und dachte nur: Genau das ist es.


Kontrolle hat mir mein ganzes Leben Sicherheit gegeben. Nicht, weil ich ein kontrollierender Mensch sein wollte. Sondern weil ich sie schon als Kind gebraucht habe. Wenn um dich herum viel Chaos herrscht, entwickelst du häufig einen ausgeprägten Wunsch nach Struktur. Später entwickelt sich Struktur in Kontrolle .Das gibt Sicherheit.


Heute merke ich aber auch, dass genau diese Kontrolle mir manchmal die Lebensfreude nimmt. Ich möchte am liebsten schon wissen, wie alles ausgeht. Ich möchte wissen, dass die Entscheidung richtig ist. Ich möchte wissen, dass ich nicht alleine bleibe. Ich möchte wissen, dass alles gut wird.


Aber genau diese Sicherheit kann mir niemand geben.

Denn das Leben lässt sich nicht kontrollieren und es hat seinen eigenen Plan.

Bertolt Brecht sagte einmal: "Mach nur einen Plan, und sei ein großes Licht, mach noch einen zweiten und gehen tun sie beide nicht."


Und vielleicht ist genau das die eigentliche Angst.


Ich glaube tatsächlich, dass ich damals in diese Beziehung gegangen bin mit dem Gedanken: „Ich schaffe das. Ich schaffe das, dass dieser Mann mich irgendwann aus der Tiefe seiner Seele lieben kann.“

Während ich das hier schreibe, merke ich, wie mir schon wieder die Tränen in die Augen steigen. Das ist bitter. Nicht, weil ich ihm einen Vorwurf mache, sondern weil ich merke, dass ich meiner eigenen Illusion aufgesessen bin. Ich habe geglaubt, wenn ich mich nur genug anstrenge, dann wird das schon.


Manchmal wünsche ich mir, ich hätte damals schon gewusst, dass Liebe nichts ist, was man sich verdienen kann oder muss.


Dann wäre vielleicht manches anders gelaufen.


Ich habe auch Angst vor der Trauer. Davor, einen Menschen loszulassen, der ein Teil meines Lebens war. Viele sagen dann: „Der andere lebt doch noch.“ Ja, das stimmt. Aber das Gefühl von Verlust macht da oft keinen Unterschied. Verlust bleibt Verlust. Und auch davor habe ich Angst. Vor dieser Zeit, in der ich traurig sein werde. Vor den Tagen, an denen ich mich fragen werde, ob ich das alles schaffe.


Und trotzdem komme ich immer wieder zu derselben Frage zurück:


Was passiert eigentlich, wenn ich aus Angst vor dem Ungewissen genau dort stehen bleibe, wo ich schon längst nicht mehr glücklich bin?


Verliere ich dann nicht jeden Tag ein kleines Stück von mir selbst?


Ich weiß heute nicht, wie meine Geschichte ausgeht. Vielleicht werde ich erst einmal traurig sein. Wahrscheinlich sogar. Vielleicht werde ich Abende haben, an denen ich denke: „Was hast du da eigentlich gemacht?“ Aber wer sagt denn, dass das das Ende der Geschichte ist? Wer sagt denn, dass hinter der nächsten Ecke nicht genau das Leben auf mich wartet, nach dem ich mich schon so lange sehne?


Ich weiß es nicht.


Und genau das ist wahrscheinlich der schwerste Satz für einen Menschen wie mich, der immer einen Plan haben wollte.


Vielleicht bedeutet Vertrauen manchmal nicht, den ganzen Weg zu kennen.


Vielleicht bedeutet Vertrauen einfach, den nächsten Schritt zu gehen.


Und wenn ich in den letzten Tagen eines verstanden habe, dann das:


A.N.G.S.T.


Ist die Annahme negative Gedanken sind Tatsache.


Dabei sind es Gedanken.


Nicht die Zukunft.


Nicht die Wahrheit.


Und ganz bestimmt nicht das Ende meiner Geschichte.

 
 
 

3 Kommentare

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Alex
vor 3 Tagen
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Liebe Peggy, ich kann deine Angst total verstehen. Alle Zelte abzubrechen bedeutet aber nicht gleich völlig alleine zu sein. Mir wurde in den letzten 3 Jahren mehrfach der Boden unter den Füssen weggezogen. Meine letzte Entscheidung war es mich von meiner Familie zu trennen und neue Wege zu gehen. Ich zog nur gut 20 km weg, aber in eine Region die ich vorher nicht kannte. Meine besten Freunde sind an meiner Seite geblieben, neue dazu gekommen. Anfangs war alleine sein ein komisches Gefühl. Mitlerweile geniesse ich jede ruhige Minute zu Hause. Ich habe 2 Vögel die den ganzen Tag hier rum fliegen. Das reicht mir völlig an Gesellschaft.

Ich kann nur sagen, das es zwar irgendwie Gesund ist auch Angst…


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Gast
vor 3 Tagen
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Ich kenne das nur zu gut. ❤️

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Tanja
vor 3 Tagen
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Liebe Peggy, ich kann diese Gedanken und Gefühle so gut nachvollziehen, du bist so mega reflektiert und ich drück dich ganz fest !!!

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